Food, Leipzig, Osten
Schreibe einen Kommentar

Must-Tastes aus Sachsen

Der Genussmarkt in Delitzsch 2018

Ein Besuch auf dem Genussmarkt

Bautz´ner Senf, Christstollen aus Dresden und Leipziger Lerchen sind sächsische Spezialitäten, die sich Gourmets in der ganzen Welt schmecken lassen. Kulinarisch hat Sachsen aber mehr zu bieten! Um diese regionalen Leckerbissen aufzuspüren, musste ich noch nicht mal in die entlegensten Winkel des Freistaates reisen …

Eine Fahrt zum Delitzscher Genussmarkt hat meinen Geschmackshorizont bereits beträchtlich erweitert. Auf dem Marktplatz der kleinen Stadt bei Leipzig haben am ersten Maiwochenende 111 ausgesuchte Händler wie Hersteller aus ganz Mitteldeutschland ihre Delikatessen feil geboten. Ich konnte mich also komfortabel durch die verschiedensten Geschmäcker der Region kosten und habe dabei auch noch tolle Menschen kennengelernt, die mit viel Liebe, Genusslust und Leidenschaft ihre Gaumenfreuden herstellen.

Damit Ihr nicht bis zum Genussmarkt 2019 warten müsst, um auch mal zu probieren, habe ich fünf Kostproben mitgebracht, die man alle bequem im Internet bestellen kann:

Freizeit-Marmelade

Spezialitäten aus Sachsen: Mario und Stefanie Tatz von den FruchtTatzen
Spezialitäten aus Sachsen: Lavendelgelee mit Sekt von der Genuss-Manufaktur „FruchtTatzen“

Stefanie und Mario Tatz von der Genuss-Manufaktur FruchtTatzen zum Beispiel kredenzen aus alten Obstsorten und modernen Zutaten köstliche Marmeladen (ab 2,50 Euro). Gerade süß genug und mit jeder Menge Frucht kommt jede der kreativen Kreationen einer Geschmacksexplosion gleich. Ganz besonders hat es mir das Lavendelgelee mit Sekt und die mit Thymian abgeschmeckte Brombeere angetan. Die Früchte ernten die Beiden auf ihren Streuobstwiesen in Coswig und sie produzieren kaum mehr als 500 Kilo im Jahr.Wenn man bedenkt, dass die Zwei ihr Marmeladen-Business in der Freizeit betreiben, ist das eine beachtliche Leistung. Ich hätte nie erraten, dass Mario „im wahren Leben“ Zoll-Beamter ist. Betrachtet man aber die liebevoll gestalteten Gläschen, ist es nicht verwunderlich, dass Stefanie Designerin ist …

Coole Tüte

Spezialitäten aus Sachsen: Softeis aus Delitzsch

Soft-Eis bekommt man hierzulande an fast jeder Ecke – meist Schoko und Vanille. Oft ist es pappig süß und an einem warmen Tag in der Regel schneller in der Hand, als auf dem Gaumen geschmolzen. Dass das Soft-Eis vom Marktrestaurant Delitzsch anders ist, habe ich schon beim Fotografieren bemerkt: Tapfer trotzte die kühle Köstlichkeit aus Tonkabohne und Matcha-Hanf der Session in der Sonne.

Was mich stauen ließ, ist für Restaurant-Chef Bernd Martinek hingegen einfache Küchen-Physik: „Chemie ist tabu! Wir verwenden nur Milch, Sahne und frische Zutaten!“ Und das schmeckt man: Schmelz wie Geschmack sind wahrhaft einzigartig! Die betörende Tonkabohne vereint sich perfekt mit dem angenehm herben Geschmack des Matcha-Tees und der Hanf sorgt mit seiner leicht limettigen Note nicht für ein High, sondern für die nötig Frische. Lecker! Allein für diesen Eisgenuss (2,50 Euro) lohnt der Ausflug nach Delitzsch.

Chili vom Doktor

Spezialitäten aus Sachsen: Dr. Chili aus Zwickau

Die Kreationen von Dr. Chili  alias Maik Schätzlein aus Zwickau sind nichts für Zartbesaitete. Egal ob Sauce, Marmelade, Honig, Kaffee oder sogar Eierlikör – überall ist Chili drin! Aber sind seine Schöpfungen wirklich so scharf, dass gleich der Doktor kommen muss? Nicht wirklich!

„Zwar bin ich tatsächlich ein Doktor, aber ich habe in Politikwissenschaften promoviert…“, erzählt Maik. Mit Rücksicht auf meine Geschmacksknospen habe ich mich trotzdem nicht durch das gesamte Sortiment gekostet. Aber allein schon die feurig fruchtige BBQ-Sauce mit Mango, Habanero, knackigen Kokosraspeln und einem Hauch von Ingwer hat meinen Gaumen begeistert (ab 5 Euro). Die Schärfe ist nicht zu überschmecken, lässt dem tropischen Obst aber seinen Raum – die Zutaten sind wirklich perfekt aufeinander abgeschmeckt.

Geschmacksbomben aus der Ölmühle

Spezialitäten aus Sachsen: Ölmühle Stöbnig Egbert Nensel

Ob aus Raps, Oliven, Mohn oder Haselnuss – Öle sind hervorragende Aromaträger und die heimlichen Stars in vielen Küchen. Auch in Sachsen werden die Geschmacksträger aus Samen, Nüssen und Saaten gepresst. Genauer: In Stöbnig, einem 50-Einwohner-Dorf im Süden des Freistaats. Obwohl so winzig, ein idealer Ort für das Speiseöl-Geschäft wie mir Ölmüller Egbert Nensel erklärt: „Bei uns ist die Luft besonders gut. Die spielt beim Pressen eine große Rolle, denn Öle sind große Absorber.“ Und die Öle des freundlich verschrobenen Herrens mit dem Strohhut haben es wirklich in sich: je ein winziger Tropfen genügt, um mich erst in den Haselnuß-Himmel, dann ins Pistazien-Paradies und schließlich in einen ganzen Wald von Walnüssen zu katapultieren (ab 5 Euro). Was für deliziöse Geschmacksbomben!

It´s Gin O´Clock

Spezialitäten aus Sachsen: Gin aus Delitzsch

Auch wenn es noch früh am Tag war, Gin O´Clock ist doch irgendwie immer! Deswegen habe ich es mir zum Abschluss des kulinarischen Rundgangs am Stand von Thilo Fuchs von der kleinen Manufaktur Spirituosen Fuchs noch mal richtig gut gehen lassen und seinen ausgezeichneten Old Fox Gin (23,90 Euro) gekostet. Erst im Januar hat der sympathische Sprit-Spezialist den Gin kreiert – der erste aus Delitzsch überhaupt – und sofort beim Craft Spirits Festival Destille Berlin eine Bronze-Medaille abgeräumt. Obwohl ich mich nicht unbedingt als Gin-Fan bezeichnen würde, schmeckt das leicht süße Wachholdergetränk mit seiner herrlichen Orangen-Note richtig gut. „Seine absolute Stärke entwickelt der Fox aber in Cocktails“, so Fuchs. Denn der Gin hat stolze 45 Umdrehungen! Hätte ich wirklich nicht gedacht, so sanft wie das Getränk die Kehle hinunter fließt.

Gern wäre ich noch länger geblieben und hätte auch den Delitzscher Kräuterschnaps Naumann-Bitter probiert. Aber das hebe ich mir einfach für das nächste Jahr auf …


Wo? Delitzscher Frühlings- und Genussmarkt auf dem Marktplatz und im „Markt Zwanzig“

Wann? Immer am ersten Wochenende im Mai

Gut zu wissen? Man kann die 25 Kilometer von Leipzig nach Delitzsch auch mit der S-Bahn zurücklegen


Fotos: Claudia Masur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*