An Bars und Kneipen mangelt es Leipzig nicht. Eigentlich! Zählt man zur Generation X ist das Angebot eher schal und der heimische Tresen zur späteren Stunde oft die bessere Wahl. Jetzt hat aber eine Location eröffnet, die das Potential zur Lieblingsbar hat …

Herzlich Willkommen R10! Das Nachtcafé in der Ratsfreischulstraße Hausnummer 10 ist die zweite Location von Australier Paul Berry – ein weit gereister  Promi-Koch, den die Liebe nach Leipzig gebracht hat – und irgendwie die logische Erweiterung seines Restaurants B10 in der Beethovenstraße 10. Das B10 (Bericht folgt sicher irgendwann) hat sich schnell zu einem Szene-Treffpunkt gemausert, den die illustre Gästeschar X auch gern mal so „for a Drink“ aufsucht.

Aber jetzt ist ja das R10 da …

Die Atmosphäre  

Die Bar wirkt modern und kommt ohne viel Schischi aus. Die Beleuchtung ist schmeichelhaft schummrig, im Mittelpunkt steht ein massiver Holztresen. Angenehm: Für die Hocker braucht man kein ausgeprägtes Sitzfleisch. Wer es noch gemütlicher mag, nimmt auf einem der Loungesofas im hinteren Teil des Ladens Platz. Und: Standard-Esszimmertische sucht man im R10 vergeblich – eine richtige Bar eben.

Trinkbares  

Die Auswahl offener Weine könnte etwas größer sein. Dafür hat der Wirt mit dem R10 / B10 nun seinen ganz eigenen Hauswein. „Cheap“ nennt der Aussi den Rebsaft auf dem Etikett süffisant (8 Euro das Glas) und zeigt trotzdem Lokalverbundenheit: Der süffige Müller Thurgau stammt aus dem Hause Pawis, einem der renommiertesten Weingüter der nahen Saale-Unstrut-Region. Natürlich gibt es auch Shots, Longdrinks und eine klassisch kreative Cocktailauswahl – alles ohne Schnickschnack serviert und gemixt mit bestem Sprit. Nur am Wasserangebot könnte noch geschraubt werden (Nestlé!) …

Die Küche  

R10 Bar Leipzig Edamame Restaurant B10R10 Bar Leipzig Matcha Eis Restaurant B10 Tipp Modern und schlicht wie die Bar, ist auch das Speiseangebot: Zum nebenher snacken gibt´s Edamame (5,50 Euro) oder Popcorn (4 Euro). Probiert habe ich den Puff-Mais zwar noch nicht, aber eine Kollegin – obwohl keine Snack-Bärin – schwärmt schon seit Tagen davon. Wer mehr Grundlage braucht kann zwischen verschiedensten Poké-Bowls mit Sushi-Reis, Soba-Nudeln oder Braunem Reis wählen (12 Euro). Für den normalen Hunger sind die Portionen absolut ausreichend. Wer mehr will: Supersize it (17 Euro)! Egal wie, das Spiel von Würze und Aromen ist auf jeden Fall genial. Einziger Minuspunkt: Der herrlich knackige und nur selten auf Speisekarten zu findende Wildreis wurde schon nach wenigen Tagen gegen braunen Öko-Reis ausgetauscht. SCHADE!!!! Dafür entschädigt hausgemachtes, absolut köstliches Matcha-Eis mit Himbeersauce (5 Euro) zum Nachtisch.

Gästebetreuer  

Berlin Calling! Im R10 sprechen die meisten Gästebetreuer besser Englisch als Deutsch, tragen damit aber auch angelsächsische Gastfreundschaft nach Leipzig – I like.

Preis-Genuss-Quotient   

Qualität hat ihren Preis – und die bekommt man im R10 in purer Bar-Atmosphäre definitiv serviert.

Mein Fazit: Ein Nachtcafé ohne ChiChi und viel Drumherum – das R10 hat alles, was Generation X mit Anspruch von einer Bar erwarten kann.


Wo? Ratsfreischulstraße 10 in Leipzig 

Wann? Dienstag bis Sonntag ab 18 Uhr, Küchenschluss ist unter der Woche um 22 und am Wochenende um 23 Uhr


Fotos: Michaela Morrison mit dem iPhone 7