Freudenhäuser gibt es auf Sankt Pauli viele. Logisch! So ist das Viertel schließlich zu seinem Ruf „sündigste Meile der Welt“ gekommen. Aber nur eines dieser Etablissements taugt auch für ein romantischen Ausflug mit der Liebsten oder ein Abendessen mit der Erbtante: Das Freudenhaus an der Hein-Hoyer-Straße. Hier tanzen keine leichten Mädchen auf den Tischen. Hier tischen charmant schrullige Kellner deftige Hausmannskost auf …

Schon seit Jahren gehört neben einer Barkassenfahrt das Abendessen in dem leicht anrüchig eingerichteten Ecklokal zu meinem festen Programm für all jene, die mich zum ersten Mal in Hamburg besuchen. Und das nicht nur, weil mir der Anblick der meist verwirrt irritierten Gesichter größte Freude bereitet, sobald der Satz „Und dann gehen wir ins Freudenhaus“ fällt.

Das Freudenhaus ist kulinarisches Sighteating!

Als ersten Stop bietet die kleine Portion Labskaus mit Wachtelei (10,50 Euro) einen guten Einblick in die Hamburger Küche: Das Matrosen-Gericht aus gepökeltem Rindfleisch und Roter Bete besticht zwar nicht unbedingt optisch (deswegen habe ich wohl auch ein Foto völlig vergessen), schmeckt aber grandios und bildet die perfekte Grundlage für den obligatorischen Helbing. Egal ob vor, während oder nach dem Essen – eiskalt gekippt schmeckt Hamburgs Kult-Kümmel schon seit 1836 und schafft Platz für den nächsten Gang.

Achtung: Die Portionen im Freudenhaus sind durchaus üppig und ausladend!

Pannfisch im Freudenhaus Restaurant Tipp Hamburg Geschmackskompass Food Blogger BlogIch entscheide mich diesmal für den Hamburger Pannfisch in körniger Senfsoße mit Bratkartoffeln (18,90 Euro). Ein Klassiker, der früher vor allem bei Hamburger Arbeitern auf den Tisch kam.  Einziger, glücklicher Unterschied heute: Statt den Resten vom Vortag, wird frischer Fisch in der „Pann“ gebraten – köstlich. Nur bitte den Krebs nicht mit essen. Der scheint lediglich Teller-Deko zu sein.

Der Rest der Reisegruppe wählt „Kalle“ mit Bratkartoffeln und Salat (23 Euro). Okay, mal abgesehen vom Namen ist das stattliche Kalbsschnitzel („Kalle“ bringt rund 300 Gramm auf die Waage) nicht wirklich typisch Hamburg, aber sicher eines der besten der Stadt. Eigentlich! Diesmal war „Kalle“ etwas fad und der Koch hatte offensichtlich keine Lust ihm eine knusprige Panade anzuziehen …

Schnitzel im Freudenhaus Restaurant Tipp Hamburg Geschmackskompass Food Blogger Blog

Das war aber spätestens nach dem dritten Kümmel  vergessen, wir diskutieren das süße Nachspiel und stellen fest: Für eine Hamburger Rote Grütze mit Vanillesauce (7 Euro) ist beim besten Willen kein Platz mehr. Trotz Helbing.

Aber wir kommen ja wieder!

Nicht zuletzt auch, weil das Freudenhaus der ideale Ausgangspunkt für einen nächtlichen Reeperbahn-Bummel ist, bei dem dann auch auf den Tischen getanzt werden darf …


Wo? Hein-Hoyer-Strasse 7-9

Wann? Täglich 17 bis 23 Uhr

Wie viel? Den Schoppen Wein gibt´s ab 7,50 Euro, Hauptgerichte ab 16,50 Euro

Gut zu wissen: Tische werden im Zweischichtsystem vergeben. Entweder von 17 bis 20 Uhr oder ab 20.15 Uhr bis Küchenschluss

Was noch? www.stpauli-freudenhaus.de


Fotos: Michaela Morrison mit dem i-Phone 6