Ein Festessen vor dem Fest? Seit ich am 23. Dezember „Ja“ gesagt habe, ist dieser Tag mein lukullischer Weihnachtsauftakt. In diesem Jahr haben mein Mann und ich im Madame X gefeiert. Wirklich ein Fest vor dem Fest! Aber auch jenseits von Feiertagen gibt es gute Gründe, die Fine Dining Location des Off Clubs zu kosten …
Wir haben uns an dem Abend ganz dem guten Geschmack der Küche anvertraut und das siebengängige Überraschungsmenü (77 Euro) bestellt. Schon mal ein guter Grund, der für das Restaurant in Bahrenfeld spricht: Ich LIEBE Überraschungen!

Und hier sind noch sieben weitere Verlockungen der Madame X:

#1 Mutige Köche

Kalbsbries in Nussbutter im Madame X Restaurant in HamburgMein absolutes Highlight kam in Form einer üppigen Portion Kalbsbries auf den Tisch. Die Wachstumsdrüse ist eines meiner liebsten Lieblingsprodukte und verirrt sich leider viel zu selten auf deutsche Speisekarten. Vielleicht weil sich hartnäckig der Irrglaube hält, dass es sich bei Bries um Hirn handelt? Ich weiß es nicht …

Jedenfalls brachte die Küche den Mut auf, die Innerei ganz blank und (fast) ohne Begleitung zu servieren. Ich konnte mich also vollends dem herrlichen Geschmack der sanft in Nussbutter geschwenkten Köstlichkeit hingeben. Mein Geschmackskompass hat sich sofort neu justiert: So ein feines Bries hatte ich noch nie auf dem Gaumen.

Auch ein weiterer Gang hätte sich wohl nicht jeder (Fine-Dinging-)Koch getraut, in sein Menü zu integrieren: Kross geröstete Hühnerhaut mit Kartoffelpüree und fruchtiges  Petersilien-Öl. Kein Hingucker, aber ein geschmacklicher Seelenschmeichler. Das Gericht tanzt noch jetzt auf meiner Zunge, obwohl ich Hühnerhaut eigentlich gar nicht so gerne mag. Aber das war einmal …

#2 Kreative Küche

Das Kalbsbries war mein kulinarisches Weihnachtsgeschenk, gehört allerdings – wenn man ehrlich ist – zum Standardrepertoire der französischen Küche. Im Madame X scheut man aber auch nicht vor kulinarischen Experimenten zurück. Etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch ein Erlebnis: Das Eis aus Tannennadeln! Tatsächlich hatte ich das Gefühl, einen Weihnachtsbaum zu verspeisen. Ganz ohne piken – grandios! Serviert mit Apfeltarte und Sahne ein wahrhaft weihnachtliches Dessert.

#3 Inspirierende Gerichte

Ja, auch ich versuche mich manchmal am Herd. Und einige Kreationen haben meinen Koch-Instinkt geweckt. Sicher nicht, weil es mir besser gelingen wird. Aber mein Geschmackskompass lechzt schon jetzt nach diesen Köstlichkeiten:

– Als Gruß aus der Küche erreichte uns ein schmackhaftes Rindertatar begleitet von Räucheraal-Creme – eine wirklich tolle Alternative zu den klassischerweise gereichten Anchovis.

– Und so wie mein Mann noch heute von der Gin beschwipsten Auster mit Gurke schwärmt, muss ich ihm die wohl als vorbildliche Ehefrau ganz bald mal auf heimischen Tellern anrichten.Auster mit Gin + Gurke

– Und was gibt‘s für mich? Auf jeden Fall die final servierte Hefesuppe mit Pflaumenmus und Pflaumenkerneis. Warum? Die süße Kreation hat lang vergessene Kindheitserinnerungen geweckt.

#4 Der Service

Selten war ich vom Service so begeistert wie im Madame X: Zurückhaltend professionell und trotzdem locker, ohne dass es pseudo-hipster aufgesetzt wirkte. Unser Menü kam in perfekter Zeitfolge (trotz gelegentlicher Rauchpausen), wurde begeistert kommentiert und als wir uns nicht wirklich mit dem Geschmack der empfohlenen Flasche Wein anfreunden konnten, hat man diese anstandslos zurück genommen. Der dann entkorkte Chateau Poujeaux aus Moulis-en-Médoc (2010) war ein Volltreffer und knallte mitten ins Zentrum unseres Wein-Gefallens.

#5 DJ „Mr. Hot“

Vor Restaurants mit Live-DJ´s schrecke ich eigentlich zurück. Meist viel zu laut, finde ich es eher anstrengend gegen Beats und Bässe anzuessen. Im Madame X ist das anders! In einwandfreiem Sound — Tischgespräch, Esserlebnis UND Hörgenuss waren jederzeit möglich — schallten erst 70ies Hits durch den Raum, dann etwas House und am späteren Abend legte DJ „Mr. Hot“ sogar Udo Lindenberg auf. Zwischenzeitlich habe ich echt gedacht, dass mein Mann ihm heimlich eine Playlist mit meinen Lieblingssongs zugeschoben hat. Hat er nicht, aber „Mr. Hot“ hat sein Ziel erreicht: Wir sind wegen des Essens gekommen und wegen der Musik geblieben.

#6 Die Location

Off Club HamburgAlte Fabrikgebäude haben ihren ganz eigenen Charme. Zu cool eingerichtet können sie aber schnell kalt und unpersönlich wirken. Doch das Restaurant im Souterrain des Backsteingebäudes versprüht die gemütliche Atmosphäre einer Kiez-Kneipe ohne dabei den Restaurant-Charakter zu verlieren. Auf den plüschig  roten Sofas habe ich mich sofort wohl gefühlt. Die Deko mit Schlagzeug und stilisierten Hasen passt sich perfekt in das Ambiente ein. Kurzum: Ein ungewöhnlich einladender Ort.

#7 Das Konzept

Und wieder einmal muss ich meine Vorurteile gegenüber kochenden TV-Stars revidieren. Harmonisch wie in einer guten Ehe vereinen sich die Fine Dining Location Madame X und das Restaurant Off Club zu einem spannenden Restaurant-im-Restaurant Konzept, das von keinem geringeren als Tim Mälzer erschaffen wurde. Dabei muss sich der etwas rustikalere Begleiter von Madame X in Sachen Geschmack und Kreativität keinesfalls hinter der feinen Dame verstecken: Vor einiger Zeit habe ich auch dort einen fantastischen Abend mit meinen Mädels verbracht und werde sicher bald ein paar Zeilen über das Restaurant schreiben … Das wird wohl eher nix!

UPDATE: Traurig, ist aber leider so – der Restaurant-Betrieb im Off Club wie Madame X pausiert „bis auf weiteres“. Warum? Vielleicht weil Koch Thomas Imbusch den Laden verlassen hat. Das wiedeum ist aber durchaus ein Grund zur Freude. Denn: Herr Imbusch macht sich selbstständig! Ich kann es kaum erwarten sein Restaurant 100/200 ausgiebig zu kosten …


Wo? Madame X im Off Club, Leverkusenstraße 54 in Hamburg Bahrenfeld

Wie viel? Sieben, monatlich wechselnde Gänge samt einiger Küchengrüße gibt‘s für 77 Euro und die Flasche Wein ab etwa 30 Euro.

Gut zu wissen: Im Sommer lädt ein großer Freisitz zum Chillen ein.

Mehr Infos: Mein Lieblingsfood-Blogger scheint dort Stammgast zu sein und hat mich überhaupt erst auf dieses Restaurant aufmerksam gemacht. Sein Bericht definitiv lesenswert!