Gozo – schon mal davon gehört? Der Fels in der Mitte des Mittelmeers ist die kleine Schwester der Insel Malta und Heimat meiner Mutter. Schon lange vor meinen aktiven Erinnerungen habe ich auf dem Eiland Geschmackserfahrungen sammeln dürfen. Geschmäcker, die bei mir umgehend für Urlaubsstimmung sorgen!

Die kulinarischen Schätze der Insel werden einem aber nicht gerade auf dem Silbertablett serviert. Weniger, weil die Gozitaner ihre heimischen Köstlichkeiten vor Touristen geheim halten wollen …

Meersalz, sonnengeküsste Tomaten, wild gewachsene Kapern: Viele Insel-Genüsse sind schlichtweg in Hülle und Fülle vorhanden – und somit für die gut 30 000 Insulaner keine Besonderheiten. Erst langsam entdecken sie den kulinarischen Wert ihrer Produkte. Inzwischen bieten manche die Delikatessen sogar in mehr oder weniger ansprechenden Verpackungen an.

Aber, der wahre Geschmack Gozos versteckt sich immer noch in den Regalen kleiner Händler und im Sortiment der Gemüse-Höker am Straßenrand. Gerade war ich wieder auf Gozo und habe fünf Geschmäcker mitgebracht, die man probiert haben muss:

MEER ZUM MITNEHMEN

Salinen Salz Gozo Geschmackskompass TippsDie Salinen im Norden nahe der Xwejni Bay zählen wohl zu den wild romantischsten Plätzen der Welt. Schon die Römer haben dort das weiße Gold geborgen und noch heute wird das Gozo-Salz traditionell geerntet und verarbeitet. Es zählt – meiner Meinung nach – zu den besten überhaupt: Mild mineralisch im Geschmack, einzigartig weich die Konsistenz. Auf Steaks oder Filets schmelzen die Flocken wie Butter. Da es für Salzmühlen zu feucht ist, bewahre ich meines einfach offen im Mörser auf.

An der Küstenstraße entlang der „Salt Pans“ kann man das sonnengetrocknete Meer hübsch verpackt direkt beim Bauern kaufen und unterstützt so auch das schweißtreibende Handwerk. Während im Supermarkt eine 500-Gramm-Packung weniger als 1 Euro kostet, zahlt man vor Ort etwas mehr. Aber mit Glück kann man in den Sommermonaten die Salzbauern bei der Ernte beobachten.

Kleiner Hinweis: Wenn das Salz irgendwie „schmutzig“ und nicht strahlend weiß aussieht, ist das kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil! Das ist eher ein Garant für Qualität und Echtheit des Gozo-Salzes.

PASTIZZI ZUM FRÜHSTÜCK

Geschmackskompass Gozo: Insel Must-Tastes Pastizzi

Pastizzi sind kross luftige Blätterteigtaschen, die entweder mit Ricotta oder gehackten Erbsen gefüllten sind. Das Gebäck (ein Stück kostet meist nur 25 Cent) wird in den meisten Lokalen auf Gozo – und natürlich auch auf der Hauptinsel Malta – typischerweise zum Frühstück serviert. Nach 12 Uhr sind Pastizzi daher in der Regel ausverkauft oder nur bedingt genießbar.

Heiß schmecken die deftigen Teigtaschen einfach am besten. Und sie machen sich auch zu einem heimischen Cisk (Maltas Biermarke Nr. 1) ziemlich lecker. Mein Tipp für alle, die länger schlafen wollen oder nicht unbedingt Bier zum Frühstück trinken: Einfach ein paar Pastizzi aus der (Dorf)Bäckerei holen – hier bekommt man sie meist bis in den Abend.

GOZO-CHEESE

Geschmackskompass Gozo Must-Tastes Gozo-CheeseJeder, der auf Gozo ein Schaf oder eine Ziege hat, stellt sie her: kleine Käse-Räder namens Ġbejniet. Cremig frisch und ähnlich weich wie Ricotta werden sie zum Beispiel mit Suppe serviert, in Ravioli gefüllt oder auf Brot genossen. Eingelegt in Wein oder Essig und mit ordentlich Pfeffer schmecken sie mir aber am besten. Dazu Tomaten, Olivenöl, ein paar Kapern oder Zwiebeln und ein Glas Rotwein – so schmeckt Urlaub.

Und den kann man sogar mit nach Hause nehmen: In den Kühlregalen der größeren Supermärkte findet ihr den Käse flugfreundlich verpackt. Richtig original kauft man Gozo-Cheese aber beim Gemüsestand am Straßenrand oder an den Theken der kleinen Dorfhändler.

Kneipen-Tipp: Oder ihr kehrt bei Ta‘ Rikardu ein. In dem urigen Restaurant auf der Cittadella (Victoria) wird der Gozo-Cheese wie bei den Einheimischen zu Hause serviert.

FISCH MIT TRADITION

Geschmackskompass Gozo: Insel Must-Tastes Lampuki

Der Lampuki ist eine Makrelenart und DER National-Fisch der maltesischen Inseln schlechthin. Von Mitte August bis Ende Dezember schwimmen die Schwärme auf ihrem Weg zum Atlantik an den Inseln vorbei und haben just in diesem Moment die optimale Verzehrgröße. Ob gedämpft, gegrillt, gebraten oder gebacken – das feste, weiße Fleisch ist schmackhaft, aber dennoch angenehm mild.

Wirklich jede Familie hat ihr eigenes, über Generationen hinweg weitergereichtes (Geheim-)Rezept. Dabei ist die traditionellste Art den Lampuki aufzutischen, die Torta tal Lampuki. Im Restaurant habe ich diese köstliche Fischpastete leider noch nicht entdeckt. Aber fragt ruhig nach, wenn ihr Insulaner kennenlernt – sie werden euch sicher stolz einen Lampuki Pie nach ihrem ganz eigenen Familien-Rezept servieren.

MEIN KINNIE

Geschmackskompass auf Reisen Tipp Gozo: Insel Must Tastes KinnieEntweder man hasst die Limo Maltas oder man liebt sie. Ich jedenfalls LIEBE Kinnie! Schon als Kind war ich ganz wild auf das erfrischende Zuckergesöff, dessen süß bitterer Geschmack eigentlich eher etwas für erwachsene Gaumen ist. Seit 1952 wird die bernsteinfarbene Brause auf Malta hergestellt und ist die maltesische Antwort auf Coca-Cola. Den unverwechselbaren Geschmack und letztlich auch den Namen erhält Kinnie von Bitterorangen der Sorte Chinotto und allerlei Kräutern. Kinnie schmeckt eisgekühlt am besten und ist das erste, was ich mir auf der Fähre von Malta nach Gozo gönne.

 

Natürlich ist dies nur eine kleine Auswahl der Geschmäcker von Gozo. Und es gibt jenseits der üblichen Touristenlokale auch eine Reihe wirklich empfehlenswerter Restaurants. Spätestens wenn ich in ein paar Monaten wieder auf der Insel bin, schreibe ich die nächste Folge meiner Insel Must-Tastes.

Wer vorher schon ein paar Tipps braucht, kann mir aber gerne schreiben …


Wo? Die Koordinaten der Mittelmeer-Insel Gozo sind 36° 3′ N, 14° 15′ O

Wie viel? Lebensmittel und Speisen sind nur etwas günstiger als bei uns. Die in Restaurants servierten Getränke hingegen sind deutlich preiswerter als in Deutschland

Geschmackskompass auf Reisen Insider Tipp Einkaufen Gozo: Ta Mena Insider-Tipp: Auf der Straße zwischen Victoria und Marsalforn liegt das Ta Mena Estate. Hier hat schon meine Nana Obst & Gemüse gekauft. Mittlerweile hat die Familie Spiteri ihr Geschäft erweitert und bietet eine Fülle von selbst hergestellten Insel-Delikatessen wie Wein, Olivenöl, Marmeladen, Kapern oder Honig an. Ein Besuch lohnt in jedem Fall …


Fotos: Anne Weinrich (1,2), Michaela Morrison