Bier trinke ich bekanntlich selten. Aber ich komme langsam auf den Geschmack, denn hier ist bereits mein zweiter Bier-Beitrag. Schuld daran ist Kollege Bernhard! Bernhard ist ein ausgemachter Bierliebhaber und hat mich neulich in der Gosenschenke „Ohne Bedenken“ zu einem, klar: einem Gose-Tasting verhaftet … 

Für alle, die noch nie von einem Bier namens Gose gehört haben – kommt vor, zumindest bei „Bierkennern“ wie mir. Als ich Neu-Leipzigerin war, dachte ich bei meiner ersten Begegnung mit dem säuerlichen Gebräu nur Gose, was…? Und ganz ehrlich: Bier mit Milchsäurebakterien, Koriander und Kochsalz? Mein Geschmackskompass hat mich jedenfalls seither nicht mehr zu einer Gose geführt. Das hat nun Bernhard übernommen …

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Die 2. Chance: Das Tasting

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Mit neun Gose-Gläsern steht die freundlich lächelnde Kellnerin plötzlich vor uns. Drei für jeden – Kollege Bernhard, seine Frau und ich haben uns für eine Blindverkostung entschieden. Schließlich schenkt man in der Gosenschenke auch drei Sorten aus: Leipziger Gose, Ritterguts Gose und natürlich die selbstgebraute Edelgose von Gosenschenke-„Ohne Bedenken“-Wirt Jens Gröger.

Na dann, Goseanna! „So prostet man sich mit Gose zu“, erklärt Bernhard. Also hoch die Tassen und „Goseanna“ – jetzt wird getrunken …

Wir beginnen mit dem dunkelsten der drei Test-Objekte. Hmmm, duftet Gose Nr. 1 angenehm malzig. „Und was für ein toller Schaum – so cremig und trotzdem kompakt“, freut sich Bernhards Frau. Diese bernsteinschillernde Gose überrascht meinen Geschmacksknospen: Mild malzig rollt es über den Gaumen, legt einen säuerlich frischen Abgang hin und hinterlässt einen Hauch von Koriander.

Ich werde gerade zum Gose-Fan, da trifft mich der erste Schluck von Gose Nr. 2: Hui – sauer! Ein bisschen wie Gewürzgurken-Wasser. „Aber eisgekühlt, an einem heißen Sommertag …“, versucht Bernhards Frau noch zu retten. Doch ich greife lieber gleich nach Gose Nr. 3!

Und die kann ich mir richtig gut an einem Julitag jenseits der 30 Grad vorstellen: Die Säure kitzelt sich in den Vordergrund, erschlägt einen aber nicht. Im Gegenteil, sie harmoniert ganz wunderbar mit dem nun klar hervortretenden Koriander. Erwähnte ich schon: Ich liebe Koriander! Und Gose Nr. 3 ist zudem wunderbar trocken, perlt fast so schön wie ein frischer Cidre.

And the Winner is …

Gose Nr. 1 ist und bleibt unsere Nummer 1! Welche das ist – einfach mal selber ausprobieren. Erfreut über die Wahl, nimmt uns Gose-Wirt Gröger (Foto) mit in’s Braustübchen und präsentiert stolz seine neuste Gose-Kreation: Das Gose-Böckchen. Eine frische Gose mit satten sieben Umdrehungen, die aber so herrlich malzig wie Gose Nr. 1 daher kommt …

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Die das obergärige Bier kann aber nicht nur frisch über den Gaumen fließen. Gose prickelt auch kulinar-historisch:

Gose ist (Trink)Geschichte!

Schon Kaiser Otto III. (983 – 1002) labte sich an dem Kult-Getränk und auch Dichter Goethe (1749 – 1832) waren Sauerbier-Enthusiast. Um 1900 tranken die Leipziger so viel des säuerlichen Gerstensafts, dass man die Stadt kurzerhand auch Gosestadt nannte. Seither ist die Gose ein Original wie Allerlei, Allasch (ein Likör, den man übrigens traditionell in und mit der Gose trinkt) und Lerche.

Dabei stammt die Gose eigentlich aus der alten Kaiserstadt Goslar im Harz. Nam(en)haft logisch, aber geschenkt! Die Gose kann im Ursprung schließlich auch „Göttlich Ohne Sinn Entstanden“ sein – argumentiert jedenfalls so mancher hier in Leipzig …

Nach dem kaiserzeitlichen Gose-Hype geriet das Bier in Vergessenheit, einige Jahre wurde es gar nicht mehr und später nur noch in Leipzig gebraut. Dann kam der Craft-Bier-Boom: die Gose avanciert wieder zum Top-Insider-Tipp – weltweit. Leipziger Bier-Experten schätzen, dass heute mehr als 1 000 Sorten Gose gebraut werden. Auf Instagram findet sich das Hashtag #gose bald 90 000 Mal.

Und wie es sich für ein Kult-Getränk ziemt, zelebriert die Gose-Gemeinde am 17. November nun auch den „Happy Gose Day“ – Goseanna, das schmeckt!


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Wo? Gosenschenke „Ohne Bedenken“ in der Menckestraße 5 in Leipzig Gohlis 

Wie viel? Eine kleine Gose (0,3l) gibt´s ab 2,90 Euro und mit Likör kostet sie 4,50 Euro

Gut zu wissen: In der Gosenschenke wird nicht nur Gose, sondern auch gutbürgerliche sächsische Küche aufgetischt. Zum Beispiel einen Goseschmorbraten (14,90 Euro) oder leckere Gosehäppchen, also in Gose-Essigmarinade eingelegter Camembert mit Fettbemmchen und Spreewaldgurke (6,90 Euro) 

Mehr Infos: www.gosenschenke.de


Fotos: Michaela Morrison